Ring out of ...
Häutung ...
Freebird ...
   
Galionsfigur II ...
Fallrückzieher ...
Verletzung ...
 
Hans Georg Assmann

Assmanns Arbeit beschäftigte sich von Anfang an mit dem Menschen und beurteilt diese menschliche Existenz - wie man sieht - nicht eben günstig. Keine Spur von Lebensoptimismus, höchstens Hinweise aufs nackte Überleben. In keinem Fall nimmt Assmann den Menschen als »die Krönung der Schöpfung« in Anspruch oder in Schutz. Und er macht uns das zeitweise mit seinen gar nicht realistischen Bildern klar. Denn Hans-Georg Assmann zeichnet Leiber.

Oder zeichnet er Landschaften? Der Mensch ist seine Landschaft, eine zerrüttete, eine tektonisch wie Erdaufrisse, Erd-Aufbrüche geordnete. Eine zerstörte Landschaft. Rotbraun oder Grau-Blau sind seine wenigen farbigen Andeutungen. Aber seine Zeichnung konturiert nicht diese Körper, genauso wenig wie seine Farben colorieren. Seine Menschen sind Schlachtfelder. Seine Landschaften »killing floors«. Seine Torsi sind Fleisch-Stücke und skelettierte Erdformationen. Seine Titel halten dieses Aussage-Gleichgewicht ebenso vage in der Schwebe, wie seine suchenden Zeichenstriche das entstandene Kunstwerk unvollendet lassen. »Es lebe tot« - dieser Satz, der das Unvereinbare in einem Bild einmal in eine metamorphe Ambivalenz fasste, sagt auch über die künstlerische Schwebe seiner Blätter und Bilder viel.

Der suchende, nie eindeutige Strich, der für Assmanns Zeichnungen so charakteristisch ist, findet seine Entsprechung in der Uneindeutigkeit des Menschenbildes. Die Zeichnungen, kräftig im Körperaufbau, konstruktiv in mit dickem Graphit gezeichneten Strichen, wirken gebrochen. Stets nur Bruchstücke vom Menschen, zusammengeflickt und zusammengehalten vom großen Strich der Überzeichnung. Situationen, die unsere Empfindung im Zustand des Erschreckens über diese Welt in der wir leben, festhalten. Die fragmentarisch erscheinenden Zeichnungen mit Öl, Acryl, Graphit, Kreide, Asphalt, Rötel oder Deckweiß mit Klebstoff oder Tesafilm zu Bildern gemacht, sind sinnliche Erzählungen von einer Erotik, die auch das Animalische nicht ausspart. Den Arbeiten dieses Künstlers sieht man sein Mitleiden an, ohne dass dies zu betrachten uns wirklich irgendwie störte. Assmann tut alles, was er zeichnet, virtuos... doch nie fehlt die Glaubwürdigkeit.

Ludwig Zerull, Galerie Artforum Hannover, 1997

Vita                                                                                                  
1950
In Wolfsburg geboren (lebt in Braunschweig)
1969-70
Werkkunstschule Hildesheim, Werbegrafik, Prof. Paul König
1971
Fachhochschule Hannover, Bildhauerei, Prof. Helmut Rogge
1973-76
Fachhochschule Bielefeld, Illustration, Prof. Karl-Heinz Meyer (Dipl-Design)
1977-78
Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Prof. Malte Sartorius
1978
Meisterschüler / Rudolf-Wilke-Preis der Stadt Braunschweig,
Werkstattstipendium, Schloß Wolfsburg
1979-80
Lehrtätigkeit an der HBK Braunschweig
1980
Förderstipendium des Landes Niedersachsen
1980-81
Stipendium des Landes Niedersachsen, Schloss Bleckede
1981-82
DAAD-Stipendium für London
1982-83
Stipendium des Landes Niedersachsen, Atelierhaus Worpswede
1984
Werkstattstipendium Schloss Wolfsburg
1985
Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen, Casa Nouva, Toskana
1988
Werkstattstipendium Schloss Wolfsburg
1990
Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen, Pyrenées orientales
1993
Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen, Städtereisen
1997
Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen, Landreisen
2002-03
Rethymno-Xirohorio, Kreta mit Unterstützung der Deutschen Künstlerhilfe
2003
Stipendium der Prof. Carl Langhein Stiftung, Hamburg
2003
Arbeitsstipendium der Stiftung NORD LB/ÖFFENTLICHE Braunschweig
2003
Förderung durch Volkswagen AG-Kultursponsoring Braunschweig,
4. Premio Pittura Lorenzo il Magnifi co Biennale Internazionale dell`Arte
Contemporanea Firenze
2005
Seit 1984 laufende Förderung (»Ehrensold der Bundesrepublik Deutschland«)
im Rahmen der DEUTSCHEN KÜNSTLERHILFE